Titel: Trägheit
Autor: callisto24
Fandom: 24, Renegades
Charaktere: Jack Bauer, Hank Storm
Genre: Drama, möglicherweise m/m slash in Andeutungen
Rating: R
Thema: Jack nach Season6, Crossover
Warnungen: Depressionen, Drogen, Alkohol... etc... kann ich noch nicht sagen...
Disclaimer: Nichts davon gehört mir, kein Geld wird verdient.

 
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Und noch ein Disclaimer:
Leider habe ich so gut wie keine Ahnung von Kultur und Lebensweise der amerikanischen Ureinwohner und der Lakota insbesondere. Es ist alles Phantasie, die mit den besten Absichten entwickelt wurde, und hoffentlich niemanden in irgendeiner Weise vor den Kopf stößt. Sollte dies der Fall sein, entschuldige ich mich schon einmal im voraus in aller Form und Deutlichkeit. Meine spärlichen Informationen entnehme ich einigen Fanfictions und den Büchern ‘Lame Deer, Seeker of Visions’ und ‘Black Elk Speaks’, die ich absolut und unbedingt weiterempfehlen kann. Hauptsächlich jedoch handelt es sich um wirre Gedanken meinerseits, die unerklärlicherweise auch nicht vor Geheimagenten zurückschrecken, die sich hoffentlich ebenfalls nicht beleidigt fühlen, obwohl ihr Leben mit Sicherheit doch genauso verläuft, wie ich es gewohnt bin darzustellen. Dies ist Fiktion ohne den Anspruch irgendeinen wie immer gearteten Bezug zur Realität aufzuweisen.
 
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Anmerkungen: Ich war so frei den Lou Diamond Phillips Charakter aus ‘Renegades’ in das 24 Universum aufzunehmen. Der Lakota trifft in diesem Film auf den Kiefer Sutherland Charakter ‘Buster Mc Henry’, sie raufen sich zusammen um die heilige Lanze der Lakota wieder an ihren Bestimmungsort zurückzuführen. Die Beiden harmonieren so wunderbar, dass einfach mal getestet werden musste, wie sich Hank mit Jack verstehen würde.
 
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South Dakota

 
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Die Bar war mäßig gut besucht, nicht ungewöhnlich an einem normalen Wochentag. Der Qualm in der Luft verhinderte klare Sicht, hüllte die Welt in grauen Dunst, ermöglichte es dem einsamen Besucher in ihren Schatten zu verschwinden. Er hielt sich nicht oft für längere Zeit in ein und derselben Gegend auf, war zu lange gefangen gewesen, gezwungen an einem Ort, den er verabscheut hatte, auszuharren, nichts mehr vermochte ihn zu binden, nichts konnte ihm einen Grund geben zu verweilen. Und dann war da noch die Angst, die niemals vollkommen verschwinden würde, die Sorge, dass es wieder losgehen könnte, dass sich doch jemand an ihn erinnerte. Wer oder warum, diese Frage hatte mittlerweile ihre Bedeutung verloren, es würde immer etwas in der Dunkelheit auf ihn lauern, das Unheil würde nicht aufhören ihn zu verfolgen, der Schrecken kein Ende haben bis ... ja, bis ein gnädiges Schicksal ihn erlösen, ihm den Frieden schenken würde, den er ersehnte. Obwohl es nichts mehr gab, das er zu fürchten hatte, nichts, das ihm noch genommen werden, das ihn oder die Ruinen seiner Selbst erschüttern konnte, blieb der bittere Geschmack in seinem Mund, das Wissen, dass er den Weg weitergehen musste, so sehr er sich auch dagegen sträuben mochte. Was es war, das ihn verstockt, beinahe störrisch, an seinem Leben festhalten ließ, das es ihm verbot, ihm stets - auch in seinen schwersten Stunden - verboten hatte, aufzugeben, ihm unermüdlich befahl zu kämpfen, ihn mit starker Hand daran hinderte der Trägheit nachzugeben, die ihn verlockte, die ihm zurief - ob laut - oder leise -, dass es an der Zeit wäre, die Schlacht zu beenden, das Duell mit der dunklen Macht, die ihn in ihren Klauen hielt, solange er denken konnte, unwiderruflich zu verlassen, - er wusste es nicht, hatte es nie verstanden. Er wusste nur noch das Eine, dass er den Kampf nicht mehr wollte, dass es keinen Sinn mehr ergab zu wünschen, zu hoffen... keinen Sinn mehr für ihn.
 
Er schloss die Augen und öffnete sie gleich darauf wieder, obwohl der Rauch sie tränen ließ. Oder es waren die Bilder seiner Tochter, die Bilder der wenigen Menschen, die ihm noch geblieben waren, die er noch nicht auf seinem Gewissen hatte, die ihm den Schmerz bewusst machten, der niemals zu enden schien. Er wollte nicht mehr, konnte nicht mehr zurück, es gab nichts mehr, nichts mehr für ihn, nichts mehr, das er riskieren würde, in Gefahr zu bringen. Die klare Flüssigkeit aus seinem Glas brannte in seiner Kehle, doch die Trauer konnte sie ihm nicht nehmen, seine Hoffnungslosigkeit hatte jene Grenze erreicht, die in baldige Verzweiflung übergehen würde, die sich nicht mehr betäuben lassen würde, nicht mehr auf eine Art, die ihm erlaubt war. Er starrte auf die zerdrückte Packung Zigaretten, die vor ihm, auf dem rohen Holztisch lag, auf das Etikett der Flasche, die er bereits halb geleert hatte, und deren Inhalt keine Wirkung mehr auf ihn zu haben schien. Zumindest nicht die Wirkung, die er sich erhoffte, die er mit jeder Faser seines Körpers ersehnte, und die ihm dennoch versagt blieb. Er hatte sich daran gewöhnt. Seit seinem Entzug war das Verlangen nach der Droge sein ständiger Begleiter geworden, einer der Dämonen, die ihn jagten, eine der Herausforderungen, denen er begegnen musste, jeden Tag aufs Neue. Es war ein Feind, den er kannte, den er akzeptierte, als das, was er war - eine Notwendigkeit, ein Preis, den er bewusst bereit gewesen war zu bezahlen, ohne die Entscheidung auch nur eine Sekunde lang bereut zu haben. Es war notwendig gewesen sich seiner Schwäche hinzugeben, unvermeidlich, um sein Ziel zu erreichen, das Vertrauen zu erringen, das er benötigt hatte. Aber er hatte nicht mit der Wucht der Empfindungen gerechnet, die ihn durchströmten, als er zum ersten Mal die Nadel in seinen Arm senkte. Als er zum ersten Mal diese Reise antrat, zum ersten Mal spürte, wie es sein konnte, alles um sich herum zu vergessen, nicht mehr vorhanden zu sein, nicht mehr er selbst, nicht mehr der Jack, den er hasste, der Jack, der er nicht mehr sein wollte. Er war in diesem Moment eins mit der Welt geworden, im Einklang, geborgen in dem unbeschreiblichen Frieden, den er von diesem Augenblick an nicht aufhören konnte zu ersehnen, nicht in Mexico, nicht danach, nicht in Gefangenschaft und nicht in Freiheit. Und er war es müde dieses Verlangen zu verleugnen, müde Tag für Tag, Nacht für Nacht die Kraft zu sammeln, den Schrei seines Körpers nach Entspannung, den seiner Seele nach Erlösung wieder und wieder zu überhören, sich taub zu stellen, ebenso wie er sich taub gegenüber seinen anderen Bedürfnissen zu stellen gewohnt war.
 
Er hob sein Glas, betrachtete den silbernen Spiegel, der das schummrige Licht des Raumes fing , und stürzte den Inhalt entschlossen die Kehle hinunter. Das Feuer, das er in seinem Magen entfachen, das ihm wenigsten die Illusion von etwas Wärme schenken sollte, war erloschen noch ehe es seine Lippen erreichen konnte, war außerstande die Kälte zu verhindern, die in ihm emporkroch. Jack fröstelte. Er zog die ausgeleierte Lederjacke vorne zusammen und beugte sich nach vorne, als wollte er auf diese Weise versuchen, zumindest seine Körpertemperatur zu bewahren. Normalerweise war er nicht empfindlich, doch der Tatsache, dass er sich nicht mehr im Süden der USA befand, musste letztendlich Rechnung getragen werden. Wieder erschauerte er leicht, trotz oder gerade wegen des Alkohols, den er konsumiert hatte. Die Luft war dick, beinahe unerträglich in ihrer Schwere, und Jack fiel es mit einem Mal schwer Atem zu holen. Er musste hier heraus, konnte diesen Raum nicht mehr ertragen, konnte nicht bleiben. Es war Zeit zu gehen, Zeit seinen Entschluss in die Tat umzusetzen, Zeit zu kapitulieren. Seine Hand umklammerte die Ecke des Tisches, bis die Knöchel unter den schrecklichen Narben weiß hervortraten. Der Anblick lähmte ihn zusätzlich, machte den Versuch aufzustehen zunichte. Hilflos blickte er auf, ohne etwas zu sehen. Die wabernden Rauchschwaden vernebelten seinen Blick, der Boden wankte unter ihm. Noch fester klammerte er sich an das grobe Möbelstück, biss die Zähne zusammen bis sie schmerzten. Er konzentrierte seine Gedanken auf das, was er zu tun beabsichtigte, schloss die Welt davon aus. Übrig blieb nur die schmale Tasche, die in der Innenseite seiner Jacke verborgen war, das schwarze Päckchen, das er mit sich trug, das er bei sich hatte in dem Wissen, dass er es eines Tages brauchen würde. Und dieser Tag war gekommen. Seine Nerven spannten sich in Erwartung, sein Atem ging stoßweise, als er das zur greifbaren, fassbaren Form gewordene Geheimnis sich an seinen Körper schmiegen spürte, fühlte wie es sich in sein Fleisch brannte. Es war falsch ihm nachzugeben, er wusste es, es war ihm nicht erlaubt. Doch gab es nichts, das ihn jetzt noch davon abhalten, dass imstande wäre ihn daran zu hindern zu tun, was er tun wollte. Er konnte das Gift erahnen, es schmecken, es durch seine Venen rasen fühlen, spüren wie es ihn befreite, wie es ihm schenkte, was er sich ersehnte. Es war Zeit zu gehen. Jack löste den Blick und sah hoch. Schwarz glänzende Augen hypnotisierten ihn, bannten seine Bewegungen, lähmten seine Muskeln. Nur einen Augenblick, nur für eine Sekunde trafen sich ihre Blicke durch den Raum, lösten sich gleichzeitig voneinander, nur um wieder zu ihrem Ziel zurückzukehren. Jack spürte einen Stich, einen Schmerz, den er nicht einordnen konnte, den er nicht einordnen wollte. Mit einem leisen Stöhnen wandte er sich ab, verbannte den Eindruck aus seinem Geist, stützte sich schwer auf die Tischplatte, bevor es ihm gelang sich nach oben zu ziehen. Unsichere Finger suchten einen verknüllten Geldschein hervor, warfen ihn achtlos auf den Tisch. Es war an der Zeit aufzugeben, den Kampf zu beenden, der Droge den Sieg zu überlassen.
 
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Müde taumelte er vorwärts, fand seinen Weg beinahe, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ebensowenig bemerkte er den Schatten, der ihm folgte, die lange Gestalt, die sich geschmeidig von ihrem Platz erhoben hatte, noch ehe die Tür hinter ihm zugefallen war.
 
Hank hatte sich nicht gefragt, welche Mächte ihn mit unsichtbarer Hand dazu gebracht hatten, sich an diesem Abend in eine für ihn ungewohnte Umgebung zu verirren. Er vertraute den Geistern, die ihn führten, hatte vor langer Zeit schon aufgegeben ihre Motivation ergründen zu wollen oder in Zweifel zu ziehen. Auf sie hörte er, ihren Stimmen folgte er bereits sein Leben lang, und obwohl es schwer gewesen war, manchmal zu schwer für einen einzelnen Mann, sie hatten ihn doch niemals allein gelassen, ihn niemals hilflos in einer Welt zurückgelassen, in der die meisten Menschen orientierungslos auf der Suche nach etwas waren, das unerreichbar direkt vor ihnen lag. Er wusste es, in dem Moment, in dem er ihn gesehen hatte, wusste, dass sein Leben eine neue Richtung, sein Schicksal eine neue Aufgabe für ihn bereit hielt. Im Grunde hatte er es schon lange gewusst, gespürt, seit Jahren gefühlt, dass etwas auf ihn wartete, dass es einen Grund für ihn geben musste, weiterzumachen, dass seine Bestimmung noch nicht erfüllt, sein Dasein mit Busters Tod nicht sinnlos geworden war. Es war der Schmerz des Verlustes gewesen, der ihn blind gemacht, die grenzenlose Trauer, die es ihm unmöglich gemacht hatte, nach vorne zu sehen, die ihn bereits zum zweiten Mal den Weg, den seine Ahnen für ihn ausgesucht hatten, hatte verlassen lassen. Wie hätte er seinem Volk auch weiter helfen könne, wenn in ihm alles leer und tot war, wenn er zusammen mit Buster in die andere Welt hätte übergehen sollen, wenn es ihnen bestimmt gewesen wäre, gemeinsam dem Geisterpferd gegenüberzutreten, das erschienen war, sie abzuholen, und doch ihn alleine zurückgelassen hatte. Er hatte es verflucht, hatte ihn verflucht für das, was er ihm angetan hatte, hatte sein Schicksal verflucht dafür, dass es ihn nicht hatte mit ihm gehen lassen. Und danach war er wieder geflohen. Zum zweiten Mal hatte er das Reservat verlassen. Doch dieses Mal war er eher zurückgekehrt, dieses Mal hatte er die Rufe vernommen, hatte gewusst, dass er gebraucht wurde, dass sein Volk nicht ohne Schamane sein konnte, sein durfte, dass seine Pflicht ihn dort festhielt. Und dann waren die Visionen gekommen, hatten ihn heimgesucht. Zunächst nur während der Zeremonien, wenn er auf der Suche nach ihnen gewesen war, und schließlich ungerufen, unvermittelt, in beängstigender Intensität. Zuerst hatte er geglaubt Buster zu sehen, geglaubt, dass sein Schmerz sich Wege suchte ihn zu verwirren. Doch dann, irgendwann war es ihm klar geworden, dass es nicht Buster war, nicht Buster sein konnte, dessen Eindrücke er empfing, dessen Leben, dessen Leid er in Augenblicken wahrnehmen konnte. Die Verluste, die er sehen konnte waren groß, vernichtend, zerstörerisch wie diejenigen, die Hank selbst erlitten hatte. Und doch hatte dieser Mann keinen Einblick in die Geisterwelt, kein Gefühl für die verborgenen Bewegungen, die sich um ihn herum abspielten. Er war ein Krieger, soviel hatte Hank erkennen können, ein Kämpfer ohne Furcht, jemand der sich nicht schonte, der alles gab, und der einen hohen Preis bezahlte, einen Preis, der nun zu hoch für ihn geworden war. Dass er ihm an diesem Tag begegnen würde, dass er ihm überhaupt einmal begegnen würde, hatte ihn überrascht, hatte ihn verunsichert. Für gewöhnlich, wenn er dem stummen Ruf folgte, galt es einem Stammesbruder aus Schwierigkeiten herauszuhelfen, besser noch, dafür zu sorgen, dass es gar nicht erst zu solchen käme. Er hatte nicht erwartet ihn zu sehen, noch nicht einmal, als sein Blick über die leeren Plätze gewandert und an der vornübergebeugten Gestalt hängen geblieben war, die sich an ihrem Glas festgehalten hatte, das Gesicht verborgen, die blonden Haare stumpf und trocken im Dämmerlicht. Erst als er auf ein unausgesprochenes Kommando hin, den Kopf gehoben und mit verlorenen Augen, ohne es selbst zu bemerken, die Seinen gefangen hatte, erst dann hatte er ihn erkannt, hatte in ihm seine ‘Vergangenheit und seine Zukunft gesehen.
 
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Er zögerte, wartete, wusste, dass er dabei war sich einer Gefahr, einem Risiko entgegenzustellen, dem er nicht bereit und schon gar nicht willens war, sich auszusetzen, dass er nichts würde gewinnen können, dass dieser Mann nicht in der Lage wäre, ihm etwas von dem zurückzugeben, das er ihm nehmen würde. Sein Stolz und sein Selbsterhaltungstrieb ließen es zu, dass der Augenblick verstrich, dass sie sich trennten ohne ein Erkennen, ohne einen Moment innezuhalten, ließen zu, dass der andere sich nach sekundenlangem Erschauern, während dessen eine undefinierbare Ahnung den Raum erfüllte, wieder in sich zurückzog, sich abwandte und ihn verließ. Nur dass er es diesmal nicht zulassen würde. Dieses Mal würde er ihm folgen. Hank schloss die Augen und drängte die Furcht, die ihn ergreifen wollte zurück. Ein Band, und wenn es auch noch so zerbrechlich schien, war geknüpft worden und jeder Versuch sich loszureißen, würde zum Scheitern verurteilt sein. Die Nacht war dunkler als gewöhnlich, die Wolken hingen grau und tief, hinderten das Licht der Sterne daran den Boden zu erreichen, den tröstenden Schein der schmalen Sichel seine Schritte zu erhellen. Trotzdem kannte Hank die Richtung, wusste sie mit untrüglicher Sicherheit, ebenso wie er es gewusst hatte, wohin ihn sein Weg an diesem Abend führen würde.
 
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Jack stolperte, taumelte, fand Halt an der Außenwand eines Schuppens, den er in der Finsternis kaum als Solchen wahrnehmen konnte. Er spürte das raue Holz, als er versuchte sich hochzuziehen, die Splitter, die in seine Handinnenflächen eindrangen, die Wunde an seiner Stirn, als der Versuch fehlschlug und er rutschte und fiel und sein Kopf in schmerzhaften Kontakt mit der Außenseite eines steinernen Auffangbeckens für Regenwasser geriet. Nun bemühte er sich nicht mehr aufzustehen oder den Schwindel zu überwinden. Es wäre vergebens gewesen. Dieser Ort... - er war entschlossen gewesen niemals wieder an diesen Ort zurückzukehren, sich niemals wieder in einer Lage wie dieser zu befinden - ...und doch hatte es ihn genau dorthin getrieben. . Jack presste die Lippen aufeinander und unterdrückte einen Schmerzenslaut. Sein Kopf hämmerte und er fühlte das Blut in einem kleinen Rinnsal die Schläfe hinunterlaufen. An diesem Ort war er gewesen, nicht in dieser Stadt, nicht in diesem Staat, und doch dort, wo er sich nun befand - am Boden, sich windend vor Schmerzen, seine Gedanken, seinen Willen, sein ganzes Sein erfüllt nur von dem einen brennenden Verlangen, von dem einen Wunsch, um den alles kreiste. Zu vergessen! Zitternde Finger tasteten nach den Utensilien, die ihm Erlösung bringen sollten. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fanden sie ihren Weg in der Dunkelheit, vollführten Bewegungen mechanisch, geübt, tausendmal vorher geprobt, Tausende von Malen in Gedanken verrichtet.
 
Es war zu spät, er war wieder dort gefangen, wo er sich vor Jahren schon verloren hatte. Dieser Platz, der ihm Frieden schenkte und ihm dafür alles andere nahm. Der ihn mit nichts zurückließ, als Scham, Verzweiflung, Verachtung seiner Selbst. Dieser Ort in sich selbst, der ihn dazu brachte sich zu hassen, in jenen Zeiten, wenn er sich zurückzog mit einer höflichen Entschuldigung auf den Lippen, um in der Abgeschiedenheit, die er finden konnte, das zu tun, was nötig war, um das Flattern seiner Hände, um die Sehnsucht in seinen Adern zu beruhigen, der Ort an dem er war, wenn er Auge in Auge mit Ramon das Heroin in seinen Körper pumpte, wenn er jeden Stolz, jede Selbstachtung verloren hatte, sobald der Wunsch nach der Droge begann ihn zu schütteln, wenn er, den ganzen Körper in Flammen stehend, mit seiner letzten Kraft vorwärts kroch, eine schmutzige Ecke in einer verborgenen Gasse findend, die ihm den nötigen Schutz bot, um sich den einen, den ersehnten Schuss zu setzen. Er war dort angekommen, wurde erneut mit offenen Armen empfangen. Sein Herz begann wieder zu schlagen, die tödliche Lähmung, die ihm in China zur Rettung und nun zur Qual geworden war, wich der Spannung, der Erwartung des Unvermeidlichen, der Verlockung des Erwachens. Er lebte, sein Körper glühte, sein Blut pulsierte, als er blind seine Vene ertastete, als die kalte Nadel endlich seine Haut durchbrach. Und wenn es das letzte Mal sein sollte... er wäre glücklich darüber.

 
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Auch wenn Hank seine Anwesenheit nicht gespürt hätte, wäre es nicht schwierig gewesen ihn zu finden. Die schäbigen Gassen ließen nicht viele Möglichkeiten, ein Versteck zu suchen. Und dass er ein Versteck suchte, fühlte Hank in aller Deutlichkeit. Die Gebäude, oder das, was davon zu erkennen war, wirkten verlassen, verwahrlost. Keine Zeugnisse der Armut, wie er es aus dem Reservat kannte, sondern Beweise der Gedankenlosigkeit der Menschen, die einen Teil der Welt verstanden zu besiedeln, auszubeuten, und ihn dann zurückzulassen ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, die Verluste auszugleichen. Der Grund war steinig, ungepflegt, die Stadt ein Schatten dessen, was sie vor vielleicht fünfzig Jahren noch gewesen war. Hank bewegte sich lautlos vorwärts. Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt, durchdrangen die Nacht, suchten und fanden ihr Ziel. Die Gestalt lehnte an der Wand eines Schuppens, die genügend Risse aufwies um ihre Stabilität in Frage zu stellen. Halb verborgen hinter einigen wahllos aufeinander gestapelten Brettern wäre sie nicht zu entdecken gewesen, hätte er nicht gewusst, wonach er zu suchen hatte. Seine scharfen Augen erkannten das beinahe unmerkliche Heben und Senken der schmalen Brust, wanderten über die betäubten Glieder und das Gesicht, das mit sanft geschlossenen Lidern und leicht verzerrten Zügen eine schmerzhafte Entspannung ausdrückte, eine Freiheit, die keine war. Die leere Spritze lag neben ihm, das gelockerte Gummiband war den Oberarm hinab gerutscht. Hank fuhr sich mit der rechten Hand durch das dunkle Haar und seufzte, bückte sich schließlich um die Gegenstände in aller Vorsicht einzusammeln, die Beweise, wozu die Gier nach etwas, das sich nicht erreichen ließ, nicht auf diese Art, die Gier nach einer Erfüllung, die es so nicht geben konnte, einen Menschen trieb. Beinahe mitleidig, fast behutsam fasste er den Anderen um den Oberkörper und hob ihn vom Boden hoch. Für einen Moment lang ließ er ihn in seinen Armen ruhen, spürte die lang vermisste Nähe eines Körpers an dem Seinen, die Wärme und den Atem eines anderen Menschen, eines Menschen, den eine Laune des Schicksals ihm so vertraut erschienen ließ, als hätte er mit ihm schon einmal sein Leben geteilt. Er schluckte den Klumpen, der dabei war sich in seinem Hals zu bilden, herunter, packte Jack entschlossen an der Hüfte, und warf sich den kleineren Mann entschlossen über die Schulter. Mit festen Schritten kehrte er dem Ort den Rücken, die Entscheidung war gefallen.
 
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